Bitte anders, aber bloß nicht viel anders als die Anderen!

  •  
  •  
  •  
  •  

Bei Vorträgen und Seminaren werde ich gerne mal "nach Cases" und "best practise Beispielen" für meine Ausführungen gefragt. Ich lehne es für gewöhnlich ab, Beispiele zu nennen, auch wenn es viele dafür gibt.

"Das hört sich ja alles toll an, aber hast Du da auch mal nen Case?"

("case" = Ein Beispiel aus der Praxis, an dem eine Theorie oder eine Idee exemplarisch dargestellt wurde)"

Warum nenne ich dann keine Beispiele? Wenn wir etwas Neues lernen, verbinden sich in unseren Gehirnen munter Synapsen und wenn dieses "lernen" einfach war, freuen wir uns sogar - unser Gehirn belohnt uns lustig mit kleinen Mengen berauschender Drogen. Und in genau diesem Zustand ist es ein guter Moment, Kreativität und schöpferischem Drang freien Lauf zu lassen: Aus allen Möglichkeiten der Welt zu schöpfen, aus allen erdenkbaren Optionen.

 

Denn genau dann geschieht etwas, was man durchaus als "Magie" betrachten kann: Wer seinem eigenen Impuls folgt, hat jetzt die Chance etwas Einzigartiges zu erschaffen.

 

Unterschiedlichkeit stimuliert das Gehirn. Unter anderem.
Unterschiedlichkeit stimuliert das Gehirn: Wir erinnern uns leichter an Dinge, die anders sind als der Durchschnitt.

 

Lassen wir uns von jemandem beeinflussen oder lenken, "der diesen Weg bereits gegangen ist" (in diesem Fall jemand, der schon einmal einen "Case" durchlebt hat), schränken wir unbewusst viele, viele Denkoptionen sofort ein. Natürlich muss sich jetzt im geneigten Leser Widerstand regen: "Nein, ich lasse mich doch nur inspirieren!" Und ja, genau diese "Form der Inspiration" sorgt dafür, dass wir eben nicht mehr aus dem vollen Potential unserer Denk-Optionen schöpfen.

 

Wenn Du mit Kindern im Wald unterwegs bist, schauen sie sich nichts und alles an: Die Bäume, die Blätter, die Eichhörnchen, das Moos, die Beeren. Gehst Du aber mit Kindern im Wald umher und sagst: "Wir können nach Pilzen schauen!" (einfach mal so als Inspiration), fangen die kleinen Knirpse an, nur noch Pilze zu sehen.

 

Wie digitale Systeme die menschliche Trägheit bei der Entwicklung von Einzigartigkeit (aus-)nutzen

 

Digitale Systeme wie das Google Adwords Programm oder Facebook haben ein dauerhaftes Interesse daran, ihre Umsätze bzw. Erträge zu erhöhen. Und eine gute Strategie, um so etwas zu erreichen, lautet: "Lass Deine Teilnehmer in einen Vergleich, einen Wettstreit innerhalb der Plattform gehen." Je ähnlicher sich die Teilnehmer werden, umso höher ist der Wettbewerbsdruck.

 

Jetzt geben sich Unternehmen ja in der Regel schon Mühe, "anders als die anderen zu sein" - wie bekommt man diese Unternehmen dann dazu, sich ihren Wettbewerbern wieder anzugleichen?

 

Google löst das sehr praktisch, indem die Teilnehmer alle dasselbe Suchbegriff-Werkzeug verwenden: Und nicht nur dasselbe Suchbegriff-Werkzeug, sondern innerhalb dieses Werkzeugs dieselben Suchbegriff-Kombinationen wie die eigenen Wettbewerber.

 

Facebook geht noch einen Schritt weiter und fordert Unternehmen direkt auf, sich Inspirationen bei den eigenen Wettbewerbern zu holen, um dann ähnlich geartete Werbeanzeige zu erstellen. Macht ja auch Sinn - für Facebook: Je ähnlicher sich Angebot werden, umso mehr Ressourcen sind für die Vermarktung erforderlich.

Wie erhöht man als Plattformbetreiber Umsätze und Erträge? Man versetzt Systemteilnehmer in eine Wettbewerbs-Situation und macht sie ähnlicher.
Facebook ermuntert Systemteilnehmer in einer Wettbewerbs-Situation dazu, sich beim Wettbewerber inspirieren zu lassen und forciert auf diese Weise Ähnlichkeit.

Die Magie der "Unterschiedlichkeit".

Dinge, die "anders" sind, ziehen uns magisch an und halten uns genauso magisch auf Abstand:

  • Ist es gefährlich? Gibt es ein Risiko, kann etwas passieren?
  • Ist es neu? Kann ich meine Neugier befriedigen?
  • Macht es mich besser? Kann ich einen Wettbewerbs-Vorteil erlangen?
  • ...

Diese und viele andere Dinge rauschen uns durch den Kopf, wenn wir etwas sehen, "was anders ist, als die anderen Dinge". Und sobald wir etwas entdecken, was uns womöglich einen Vorteil verschafft, freuen wir uns. Dinge, die anders sind, sind leichter merkbar. Und wir unterhalten uns gerne über Themen, die von der Norm abweichen.

Es gibt also genügend gute Gründe, anders zu sein, als andere.

Natürlich kommt sofort der Risiko-Gedanke auf den Tisch: "Müssen wir das Rad neu erfinden?" und "Können wir uns das überhaupt leisten, von der Norm abzuweichen und anders zu sein, als die anderen?"

Ich stelle dann gerne Fragen wie: "Könnt ihr es euch mit euren begrenzten Ressourcen tatsächlich leisten, NICHT anders zu sein, als andere?

Sogar in Suchsystemen ist "Unterschiedlichkeit" meist die Eintrittskarte in die Top-Positionen.

Eine erste, einfache Methode für mehr Unterschiedlichkeit

In karlsCORE public findest Du etliche Denkanstöße, Werkzeuge und E-Books für die Erzeugung von Unterschiedlichkeit. Hier ist mal ein erster kleiner Impuls:

  1. Vergleiche Dein Produkt mit ein paar Wettbewerbern.
  2. Liste die Attribute und Besonderheiten sämtlicher Produkte auf.
  3. Erstelle für Deine Angebots-Kommunikation eine vollständigere Aufstellung an Attributen und Besonderheiten.
  4. Stelle Dir die Frage: Welches Attribut, welche Besonderheit, auf die kein Wettbewerber eingeht, f e h l t  n o c h?

Über die Frage: "Was fehlt noch, was bei keinem anderen Wettbewerber aufgeführt wird", erzeugst Du unweigerlich digitale Unterschiedlichkeit. Idealerweise sind das dann auch Punkte, die den (potentiellen) Kunden wichtig sind, wenn sie das Produkt kaufen.

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann freue ich mich sehr, wenn Du ihn mit Deinen Freunden teilst!

Interessante Links dazu:

Noch mehr Lesestoff zu "Onlinemarketing Strategien"

  •