Du hast ein Projekt, das nicht vorankommt. Du holst einen Berater, er analysiert die Lage und schlägt einen Acht-Schritte-Plan vor. Du setzt den Plan um, und nach acht Wochen ist alles schlimmer als vorher. Nicht weil der Plan schlecht war, sondern weil das Problem kein Plan-Problem war. Es war ein Beziehungsproblem, ein Vertrauensproblem, ein Kulturproblem. Und solche Probleme lassen sich nicht mit Schrittplänen lösen.
Zwei Arten von Problemen, die völlig unterschiedliche Antworten brauchen
Du stehst vor einer Herausforderung und suchst nach der richtigen Methode. Aber bevor Du die Methode wählst, musst Du eine grundlegendere Frage beantworten: Ist das Problem schwierig oder komplex? Die Antwort bestimmt, ob Dein Lösungsweg überhaupt funktionieren kann.
Die meisten Menschen unterscheiden nicht zwischen diesen beiden Arten. Sie behandeln alles gleich: Problem erkennen, Lösung suchen, umsetzen. Bei schwierigen Problemen funktioniert das. Bei komplexen Situationen scheitert es fast immer.
Was ein schwieriges Problem ausmacht
Du willst eine Buchhaltungssoftware einführen. Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Du musst die richtige Software auswählen, die Daten übertragen, die Mitarbeitenden schulen und alles testen. Es gibt viele Schritte, und jeder einzelne erfordert Sorgfalt. Aber es gibt einen bekannten Weg, der funktioniert, wenn Du ihn richtig gehst.
Das ist ein schwieriges Problem. Es hat vier Merkmale:
Vorhersagbarkeit: Wenn Du die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge machst, kommt das erwartete Ergebnis.
Wiederholbarkeit: Tausend andere Unternehmen haben dasselbe Problem gelöst. Ihre Erfahrungen helfen Dir.
Fachwissen hilft: Ein Experte, der das schon zehnmal gemacht hat, kann Dir sagen, was zu tun ist.
Es gibt einen besten Weg: Nicht jeden Weg, aber einen, der sich als am wirksamsten erwiesen hat.
Was eine komplexe Situation ausmacht
Du willst nach drei Umstrukturierungen das Vertrauen in Deinem Team wiederherstellen. Es gibt kein Handbuch dafür. Kein Berater kann Dir sagen: "Mach diese fünf Schritte, dann ist das Vertrauen wieder da." Jede Maßnahme, die Du ergreifst, kann unerwartete Reaktionen auslösen. Was beim letzten Mal funktioniert hat, funktioniert diesmal vielleicht nicht, weil sich die Umstände verändert haben.
Das ist eine komplexe Situation. Sie hat vier Merkmale, die das Gegenteil der schwierigen Probleme sind:
Unvorhersagbarkeit: Du kannst nicht wissen, was passiert, wenn Du handelst. Die Wirkung Deiner Maßnahme zeigt sich erst im Nachhinein.
Einzigartigkeit: Die Situation ist so noch nie aufgetreten. Erfahrungen anderer helfen nur begrenzt, weil die Umstände anders sind.
Fachwissen reicht nicht: Erfahrung mit Unsicherheit ist wichtiger als Fachwissen über Methoden.
Es gibt keinen besten Weg: Nur verschiedene mögliche Wege, und welcher funktioniert, zeigt sich erst durch Ausprobieren.
Für alle, die wirklich mehr wissen und umsetzen möchten ...
Zur KI-Gemeinschaft »Der häufigste Fehler: Komplexes wie Schwieriges behandeln
Du stehst vor einer komplexen Situation und reagierst, wie Du es bei schwierigen Problemen gewohnt bist: Du suchst nach der richtigen Methode, erstellst einen Plan und setzt ihn um. Aber der Plan greift nicht, weil das Problem kein Plan-Problem ist.
Ein paar Beispiele für diese Verwechslung:
Du willst die Zusammenarbeit im Team verbessern und führst ein Projektmanagement-Werkzeug ein. Das ist ein technisches Werkzeug für ein Beziehungsproblem. Das Werkzeug funktioniert einwandfrei. Die Zusammenarbeit bleibt schlecht.
Du willst Innovation fördern und schreibst einen Innovationsprozess mit sechs Phasen. Innovation entsteht aber nicht in vorgegebenen Phasen, sondern in Freiräumen und Zufällen. Der Prozess erstickt genau das, was er fördern soll.
Du willst die Kundenzufriedenheit steigern und schulst Dein Team in Beschwerdebearbeitung. Die Schulung hilft bei den bekannten Beschwerden. Aber die Unzufriedenheit liegt tiefer, in Erwartungen, die niemand ausgesprochen hat. Die Schulung behandelt das Sichtbare, nicht das Eigentliche.
Wie Du den Unterschied erkennst
Du stehst vor einer Herausforderung und bist unsicher, ob sie schwierig oder komplex ist. Vier Fragen helfen Dir bei der Einordnung.
Gibt es jemanden, der dieses Problem schon gelöst hat? Ja → eher schwierig. Nein, oder nur unter ganz anderen Umständen → eher komplex.
Kann ich vorhersagen, was passiert, wenn ich handle? Ja, mit hoher Sicherheit → schwierig. Nein, die Wirkung ist ungewiss → komplex.
Hilft mir Fachwissen weiter? Ja, ein Experte könnte mir sagen, was zu tun ist → schwierig. Nein, es braucht vor allem Erfahrung mit Unsicherheit → komplex.
Kann ich die Lösung planen, bevor ich anfange? Ja → schwierig. Nein, der Weg zeigt sich erst beim Gehen → komplex.
Die meisten Herausforderungen im Führungsalltag sind eine Mischung. Die technische Seite ist oft schwierig, die menschliche Seite fast immer komplex. Wer beides erkennt, kann für jeden Teil den richtigen Ansatz wählen.
Was sich ändert, wenn Du den Unterschied siehst
Du hast den Unterschied verstanden und wendest ihn auf eine aktuelle Herausforderung an. Was verändert sich?
Bei schwierigen Problemen suchst Du nach bewährten Methoden, holst Experten und erstellst einen Plan. Du gehst den bekannten Weg und prüfst, ob das Ergebnis stimmt.
Bei komplexen Situationen experimentierst Du mit kleinen Schritten. Du probierst etwas aus, beobachtest die Wirkung und passt Dein Vorgehen an. Du akzeptierst, dass der Weg sich erst beim Gehen zeigt, und hörst auf, nach der einen richtigen Lösung zu suchen.
Beide Ansätze sind richtig, aber nur für die richtige Art von Problem. Wer einen Plan macht, wo ein Experiment nötig wäre, verschwendet Kraft. Wer experimentiert, wo ein Plan reichen würde, verschwendet Zeit. Die Unterscheidung spart beides.
Der erste Schritt im systemischen Denken
Du fragst Dich, wo systemisches Denken anfängt. Hier. Bei dieser Unterscheidung. Wenn Du aufhörst, jedes Problem mit demselben Werkzeug zu bearbeiten, und anfängst, die Art des Problems zu bestimmen, bevor Du die Methode wählst, denkst Du systemisch.
Das klingt einfach, ist aber eine tiefgreifende Veränderung. Die meisten Menschen greifen automatisch zum Plan, zur Methode, zum Experten. Innezuhalten und zu fragen: "Ist das überhaupt die richtige Art von Antwort?" ist der Beginn eines anderen Denkens.
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