Praxisfall: Das Meeting-Desaster

Es ist Montagmorgen, 9 Uhr. Das Projektteam sitzt im Konferenzraum und wartet auf den Start des wöchentlichen Status-Meetings. Was als strukturierte Besprechung geplant war, entwickelt sich schnell zu einem Desaster: Drei verschiedene Diskussionen laufen parallel, niemand hört dem anderen zu, wichtige Entscheidungen werden im Vorbeigehen getroffen, und nach zwei Stunden verlässt jeder den Raum mit einem anderen Verständnis davon, was eigentlich beschlossen wurde.

Kommt Dir das bekannt vor? Solche Meeting-Desaster sind ein perfektes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, verschiedene Arten von Situationen richtig einzuschätzen und entsprechend zu handeln.

Lass uns das Meeting durch die Brille des Cynefin-Frameworks betrachten:

Was war das eigentlich für eine Situation? Auf den ersten Blick scheint ein Status-Meeting einfach zu sein: Agenda abarbeiten, Punkte besprechen, Entscheidungen treffen. Aber in diesem Fall trafen verschiedene Perspektiven aufeinander, ungelöste Konflikte kamen an die Oberfläche, und die Gruppendynamik entwickelte eine Eigendynamik.

Meetings sind soziale Systeme. Sobald Menschen mit unterschiedlichen Zielen, Erfahrungen und Emotionen zusammenkommen, wird aus einer scheinbar einfachen Besprechung schnell ein komplexes System.

Das Problem: Der Moderator behandelte das Meeting wie eine einfache Situation. Er hatte eine Agenda, wollte sie durcharbeiten und erwartete, dass alle kooperieren. Er versuchte, Kontrolle auszuüben, wo Flexibilität gefragt gewesen wäre.

Was wäre anders gelaufen, wenn er die Situation als komplex erkannt hätte? Statt starr an der Agenda festzuhalten, hätte er möglicherweise zunächst die Stimmung im Raum erkundet, Raum für die verschiedenen Anliegen geschaffen und den Verlauf des Meetings an die sich entwickelnde Dynamik angepasst.

Ein komplexer Ansatz hätte bedeutet: Experimentieren mit verschiedenen Gesprächsformaten, beobachten wie die Gruppe reagiert, und das Vorgehen entsprechend anpassen. Vielleicht kleinere Gruppen bilden, eine Runde "Was beschäftigt euch wirklich?" einbauen, oder das Meeting unterbrechen und erst die Konflikte klären.

Denk an ein Meeting aus Deinem Arbeitsalltag, das nicht gut gelaufen ist: War es wirklich ein organisatorisches Problem, oder spielten Gruppendynamik, unausgesprochene Konflikte oder unterschiedliche Ziele eine Rolle? Wie hättest Du vorgehen können, wenn Du die Situation als komplex behandelt hättest?

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