Entscheidungen in Schritten: Warum kleine Runden besser sind als große Würfe

Du stehst vor der Frage, ob Du eine neue Abteilung gründen sollst. Die Argumente dafür sind stark, die dagegen auch. Du könntest monatelang analysieren, Berater hinzuziehen, Szenarien durchrechnen. Oder Du könntest etwas anderes tun: Nicht die große Entscheidung treffen, sondern eine kleine.

Was Entscheidungsiterationen sind

Statt eine weitreichende Entscheidung auf einen Schlag zu treffen, zerlegst Du sie in eine Folge kleinerer Entscheidungen die aufeinander aufbauen. Jede Runde bringt Dir neue Erkenntnisse, und auf Basis dieser Erkenntnisse entscheidest Du über die nächste Runde.

Am Beispiel der neuen Abteilung: In der ersten Runde betraust Du eine Person teilweise mit den neuen Aufgaben und beobachtest drei Monate lang, was passiert. In der zweiten Runde stellst Du ein kleines Projektteam zusammen. In der dritten Runde wird daraus eine dauerhafte Arbeitsgruppe. Nach jeder Runde hältst Du inne: Was haben wir gelernt? Stimmen unsere Annahmen noch? Weitermachen, Richtung ändern oder aufhören?

Runde 1Eine Person, 3 Monate
Was gelernt?
Runde 2Kleines Team
Was gelernt?
Runde 3Dauerhafte Gruppe
Maßgeschneidertnicht planbar gewesen

Warum das in komplexen Situationen besser funktioniert

Bei einfachen Problemen kannst Du vorausdenken. Wenn Du weißt, wie alle Teile zusammenspielen, kannst Du die beste Lösung berechnen. Bei komplexen Situationen kannst Du das nicht. Zu viele Unbekannte, zu viele Wechselwirkungen, zu viele beteiligte Menschen mit eigenen Absichten.

Entscheidungsiterationen lösen dieses Problem: Du musst nicht alles vorher wissen. Du lernst unterwegs. Jede Runde zeigt Dir Dinge, die Du vorher nicht sehen konntest. Das System korrigiert sich selbst, statt auf eine perfekte Ausgangsentscheidung angewiesen zu sein.

Der Preis: Es dauert länger. Der Gewinn: Das Ergebnis passt besser, weil es aus echten Erfahrungen gewachsen ist statt aus Annahmen.

Ein Unternehmen das seine Arbeitskultur schrittweise veränderte

Ein Unternehmen wollte von starren Hierarchien zu selbstorganisierten Teams wechseln. Statt eine Komplettumstellung zu verkünden, gingen sie in Runden vor.

In den ersten drei Monaten durfte ein einziges Team experimentieren und eigene Entscheidungen treffen. Die Motivation stieg, aber die Abstimmung mit den anderen Bereichen wurde schwieriger. In den nächsten sechs Monaten bekamen drei Teams klare Regeln für die Zusammenarbeit an den Schnittstellen. Die Abstimmungsprobleme waren gelöst, aber die Entscheidungsgeschwindigkeit schwankte je nach Erfahrung der Teams. In den Monaten danach führten sie ein Begleitsystem ein, in dem erfahrene Teams weniger erfahrene unterstützten.

Nach achtzehn Monaten hatten sie ein System das zu ihrem Unternehmen passte und das niemand am Anfang hätte planen können. Noch wichtiger: Die Organisation hatte gelernt, mit Veränderungen umzugehen. Nicht als einmaliges Projekt, sondern als Fähigkeit.

So planst Du Entscheidungsiterationen

Bestimme die Richtung, nicht das Ziel. Du musst wissen wohin Du ungefähr willst, nicht wo Du genau ankommen wirst. "Wir wollen mehr Eigenverantwortung im Team" reicht als Richtung. "Wir führen am 1. Juni holakratische Kreise nach dem Muster von Zappos ein" ist zu eng.

Finde den kleinsten ersten Schritt. Was kannst Du in einer Woche ausprobieren, ohne große Risiken einzugehen? Ein Gespräch, ein kleines Experiment, eine vorläufige Entscheidung. Je kleiner der erste Schritt, desto schneller lernst Du.

Lege vorher fest, wann und wie Du auswertest. Ohne festen Zeitpunkt für die Auswertung schleichst Du von Runde zu Runde, ohne innezuhalten. Schreib Dir ein Datum in den Kalender: "Am Freitag in drei Wochen bewerten wir, was wir gelernt haben."

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Erlaube Dir, die Richtung zu ändern. Die Stärke der Iterationen liegt darin, dass Du nach jeder Runde neu entscheiden kannst. Weitermachen, anpassen oder aufhören. Alle drei Optionen sind gleichwertig. Aufhören nach einer gescheiterten Runde ist kein Versagen, sondern eine kluge Entscheidung auf Basis von Erfahrung.

Dokumentiere, was Du lernst. Nicht ausführlich, aber ehrlich. Drei Sätze nach jeder Runde: Was haben wir erwartet? Was ist tatsächlich passiert? Was machen wir beim nächsten Mal anders? Diese drei Sätze sind nach sechs Monaten wertvoller als jeder Strategieplan.