Systemisches Konsensieren

Das Systemische Konsensieren ist eine Entscheidungsmethode, die der Komplexität von Gruppenprozessen gerecht wird. Statt zu fragen "Wofür bist Du?", wird gefragt "Wie viel Widerstand hast Du gegen Option A, B oder C?"

Der Clou dabei: Es geht nicht darum, die Lieblingslösung durchzusetzen, sondern die Lösung zu finden, mit der alle am besten leben können; das führt oft zu überraschenden Ergebnissen, weil plötzlich Kompromisse möglich werden, die vorher niemand auf dem Schirm hatte.

Diese Methode entschärft Grabenkämpfe, weil es nicht mehr um Gewinnen oder Verlieren geht, sondern um das gemeinsame Finden einer tragfähigen Lösung. Und weil Widerstand abgestuft ausgedrückt werden kann, werden auch leisere Stimmen gehört.

Das Widerstandsprinzip

Der fundamentale Unterschied zu herkömmlichen Abstimmungen liegt im Fokus auf Widerstand statt Zustimmung. Menschen bewerten jede Option auf einer Skala von 0 (kein Widerstand) bis 10 (maximaler Widerstand). Die Option mit dem geringsten Gesamtwiderstand wird gewählt.

So funktioniert Systemisches Konsensieren

Schritt 1: Alle Optionen sammeln und klar formulieren

Schritt 2: Jede Person bewertet ihren Widerstand gegen jede Option (0-10)

Schritt 3: Die Widerstandswerte werden addiert

Schritt 4: Die Option mit dem niedrigsten Gesamtwiderstand gewinnt

Warum Widerstand besser funktioniert

Widerstand zu messen ist oft aussagekräftiger als Zustimmung zu messen. Menschen können sehr unterschiedliche Gründe haben, etwas zu befürworten, aber Widerstand zeigt konkrete Bedenken auf. Außerdem neigen wir dazu, ehrlicher über unsere Vorbehalte zu sein als über unsere Begeisterung.

Praktische Übung: SK ausprobieren

Probiere Systemisches Konsensieren bei einer anstehenden Entscheidung in Deinem Team aus. Sammelt 3-4 Optionen und lasst jeden seinen Widerstand bewerten. Achte darauf, dass alle verstehen: Es geht nicht um die beste, sondern um die verträglichste Lösung.

Vorteile für komplexe Entscheidungen

Systemisches Konsensieren eignet sich besonders gut für komplexe Entscheidungen mit vielen Beteiligten und unterschiedlichen Interessen. Es macht Minderheitenpositionen sichtbar und verhindert, dass laute Stimmen leise übertönen.

Die Konsens-Magie

In der Praxis führt Systemisches Konsensieren oft zu Lösungen, die vorher niemand bedacht hatte. Weil Menschen ihren Widerstand artikulieren müssen, entstehen Gespräche über die Gründe - und daraus entwickeln sich oft ganz neue, kreative Optionen.

Grenzen und Anwendungsbereiche

Systemisches Konsensieren funktioniert am besten bei strategischen Entscheidungen, wo verschiedene Optionen zur Auswahl stehen. Bei rein technischen Fragen oder wenn sehr schnell entschieden werden muss, kann es zu aufwendig sein.

Wann SK nicht geeignet ist

Die Methode braucht Zeit und die Bereitschaft aller, sich ehrlich einzubringen. In sehr hierarchischen Umgebungen oder bei Menschen, die stark auf Konkurrenz programmiert sind, kann es schwierig sein, den Fokus auf gemeinsame Lösungen zu lenken.

Das Systemische Konsensieren ist mehr als eine Entscheidungsmethode - es ist eine Haltung, die davon ausgeht, dass tragfähige Lösungen nur entstehen, wenn alle Beteiligten gehört werden und ihre Bedenken ernst genommen werden.

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