Aufstellungsarbeit: Beziehungen sichtbar machen

Dein Projektteam kommt nicht voran. In Besprechungen reden alle, aber nichts bewegt sich. Du ahnst, dass das Problem nicht im Projekt liegt, sondern in der Zusammenarbeit. Aber Du kannst nicht benennen, was genau falsch läuft. Es fehlt Dir ein Bild.

Was Aufstellungsarbeit ist

Stell Dir vor, Du nimmst ein paar Gegenstände vom Schreibtisch - Münzen, Tassen, Stifte - und jeder Gegenstand steht für eine Person oder Abteilung in Deinem Team. Du stellst sie auf den Tisch, so wie Du die Beziehungen gerade empfindest. Wer steht wem nah? Wer schaut in welche Richtung? Wer steht allein?

Das klingt einfach. Die Wirkung ist es nicht. Sobald Menschen anfangen, die Figuren zu positionieren, wird ihnen bewusst, wie sie die Beziehungen wahrnehmen. Was abstrakt und schwer greifbar war - "die Kommunikation im Team stimmt nicht" - bekommt plötzlich eine räumliche Form. Du siehst es vor Dir auf dem Tisch.

Unser Denken arbeitet räumlich. Wenn wir Beziehungen und Spannungen im Raum darstellen, werden unbewusste Muster sichtbar. Was in Worten schwer zu beschreiben ist, zeigt sich in der Anordnung der Figuren in Sekunden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Projektteam kam nicht voran. In einer Aufstellung mit Spielfiguren stellte sich heraus: Alle Figuren schauten in Richtung des Projektleiters. Der Projektleiter aber schaute nach außen, weg vom Team. Das Team wartete auf Führung. Der Leiter dachte, das Team sei eigenständig genug.

Die Erkenntnis war sofort da. Es fehlte ein Gespräch über Erwartungen. Die Frage "Wie müsste die Aufstellung aussehen, damit es besser funktioniert?" führte dazu, dass alle Figuren im Kreis standen, mit Blickkontakt zueinander. Diese räumliche Veränderung löste ein offenes Gespräch über Rollen und Verantwortlichkeiten aus, das den weiteren Projektverlauf veränderte.

Ist-AufstellungWie ist es jetzt?
ErkenntnisWas fällt auf?
Soll-AufstellungWie soll es sein?
HandlungWas ändere ich konkret?

In sechs Schritten selbst ausprobieren

Wähle eine aktuelle Herausforderung. Ein Teamkonflikt, ein stockendes Projekt, eine unklare Zusammenarbeit zwischen Abteilungen. Etwas, bei dem Du das Gefühl hast, dass die Beziehungen eine Rolle spielen.

Nimm Gegenstände als Stellvertreter. Münzen, Spielfiguren, Büroklammern, Zettel mit Namen. Jeder Gegenstand steht für eine Person, eine Abteilung oder eine wichtige Rolle.

Ordne sie nach Deinem Gefühl an. Nicht nach Organigramm, nicht nach Wunsch, sondern nach Deiner ehrlichen Wahrnehmung der Situation. Wo entstehen Lücken? Wo Häufungen? Wer steht mit dem Rücken zu wem?

Betrachte die Aufstellung. Was fällt Dir auf? Gibt es Überraschungen? Steht jemand isoliert, den Du nicht isoliert vermutet hättest? Schauen alle in dieselbe Richtung, oder jeder woanders hin?

Verändere die Aufstellung. Verschiebe die Gegenstände so, dass die Anordnung sich besser anfühlt. Nicht perfekt, nur besser. Was hat sich verändert? Wer steht jetzt wo?

Übersetze in die Wirklichkeit. Was bedeutet die veränderte Aufstellung für die tatsächliche Zusammenarbeit? Welches Gespräch müsste geführt werden? Welche Nähe oder Distanz müsste sich ändern?

Für alle, die wirklich mehr wissen und umsetzen möchten ...

Zur KI-Gemeinschaft »

Was dabei zu beachten ist

Eine Aufstellung zeigt, wie Du die Situation wahrnimmst. Nicht wie sie objektiv ist. Wenn mehrere Personen dieselbe Situation aufstellen, entstehen verschiedene Bilder. Das ist kein Fehler, das ist der Wert der Methode: Die Unterschiede zwischen den Bildern sind oft aufschlussreicher als die einzelnen Bilder selbst.

In Gruppen funktioniert die Methode auch mit Menschen statt Gegenständen. Jeder stellt sich im Raum dort hin, wo er sich in Bezug auf das Thema verortet. Das erfordert mehr Vertrauen als die Version mit Figuren auf dem Tisch, bringt aber auch unmittelbarere Erkenntnisse.

Du brauchst keine Ausbildung in Aufstellungsarbeit, um die einfache Variante mit Gegenständen zu nutzen. Du brauchst nur die Bereitschaft, Deiner Wahrnehmung zu vertrauen und das Ergebnis nicht als Wahrheit zu behandeln, sondern als Einladung zum Gespräch.