Facebook M, Dein neuer Messenger Assistent?

  •  

Mit Facebook "M" etabliert Facebook einen neuen digitalen Assistent direkt im Facebook Messenger. Die Bezeichnung wurde geschlechtsneutral gewählt (wir blicken mit einem Schmunzeln in die Richtung der Filme "HER" und "Ex-Machina", hier waren die digitalen Protagonistinnen durchweg weiblich). Wenn die aktuell auf San Francisco beschränkte Beta-Phase erfolgreich wird, werden sich einige Marktteilnehmer warm anziehen müssen.

"Facebook M" erscheint wie eine Kombination aus Apples Siri, Amazon Echo, Google Now, Microsoft Cortana und dem deutschen Butler-Service GoButler. "Facebook M" wurde entwickelt, um seinen Benutzern den Alltag leichter zu machen: Wo finde ich ein bestimmtes Produkt? Wo ist das nächste Fotogeschäft? Was soll ich schenken? 

Wozu noch Google, wenn ich für meine Suche die Facebook-Plattform nie mehr verlassen muss?

Der Facebook Messenger wurde im Juni 2015 von ca. 700 Millionen Menschen verwendet. Bisher war es so, dass diese Benutzer den Facebook Messenger verlassen mussten, wenn sie eine Information im Netz gesucht haben. Viele Benutzer wechseln dann zu Bings größtem Wettbewerber (die private Suchmaschinenfirma aus Mountain View) - und müssen dafür die Facebook Plattform verlassen. Wie praktisch wäre das, wenn man einfach innerhalb des Facebook Messengers seine Frage formulieren könnte und dann eine Antwort bekommt? Das wäre schön ... ach so, das wird ja dann mit "Facebook M" Realität! "Facebook M" soll noch ein ganzes Stück weiter gehen, als nur die reine Information zu liefern: Ersten Berichten zufolge soll "Facebook M" auch konkrete Reservierungen, Bestellungen usw. tätigen. Das bringt bereits etablierte, konventionelle Virtual-Assistent-Unternehmen natürlich in Bedrängnis.

Google: AI. GoButler: Menschen. Facebook M: Hybrid.

"Facebook M" besteht aus einem selbstlernenden Algorithmus und wird gleichzeitig von realen Menschen unterstützt. Dieser hybride Ansatz mag deutlich kostenintensiver sein, als die rein digitale Variante von Google. Allerdings können wir davon ausgehen, dass es bei Facebook M eine wesentlich steilere Lernkurve geben wird, als bei einem reinen AI-System. Bei der Benutzung erfährt der Benutzer allerdings nicht, ob er gerade mit einem Menschen oder einer Maschine interagiert. Möglich macht diese hybride Interaktion das kürzlich von Facebook gekaufte Unternehmen wit.ai; die Jungs scheinen verdammt viel Kompetenz auf diesem Gebiet zu besitzen.

TL;DR: Für mein persönliches Gefühl wird Facebook mit dem hybriden System aus Mensch und Maschine eine deutlich steilere Lernkurve als rein technologie-basierte Systeme wie Siri, Google Now und Cortana hinlegen, während sie rein aus Menschen basierten Systemen wie GoButler & Co. alleine durch Reichweite und Technologie überlegen sein werden.

Facebook M » Persönlicher Assistent im Messenger
Facebook M greift mit seinem Assistent-System bestehende Antwort-Systeme wie Google Now, Apple Siri, Microsoft Cortana an, aber auch reale Assistenz-Systeme wie GoButler. Quelle des M-Screenshots: https://www.facebook.com/Davemarcus/posts/10156070660595195 .

Noch fehlt die Spracherkennung, aber "so what"?

Die aktuell noch fehlende Spracherkennung wird vermutlich innerhalb kürzester Zeit integriert. Hier verfügt Facebook dank der Telefonie-Funktion des Facebook-Messengers sicherlich bereits über tiefgehende Informationen. Ich persönlich vermute, dass diese Verständigungshürde in der Testphase zur Reduktion der Anwendungs-Komplexität noch weggelassen wurde. Bis dahin können Benutzer ja die normale Diktierfunktion ihres Smartphones verwenden.

Angesichts des Umstands, dass der Facebook Messenger von ca. 700 Millionen Menschen weltweit verwendet wird, könnten sich interessante Geschäftsmöglichkeiten im Rahmen der "Optimierung für M" ergeben. Aktuell ist noch nicht bekannt, auf welcher Datenbasis der Algorithmus sowohl die Menschen hinter "M" an Informationen kommen. Vielleicht nutzen sie ja Google ... ;-)

Facebook strebt im Bereich "Mobile Discovery" eine Vormachtsstellung an. Daher ist eine Funktion wie "M" sehr sinnvoll: Niemand soll die Plattform mehr verlassen müssen, nur "weil er/sie kurz etwas googeln muss". 

Spannend bleibt auf jeden Fall die Frage, wie Facebook diesen Service weltweit und intensiv skalieren wird, wenn die ersten Testphasen erfolgreich sind - ein Termin für die Einführung oder den Rollout ist noch nicht bekannt.

Fraglich bleibt, ob Facebook M wie ein "riiiichtig großer Affiliate" agieren wird, oder komplett auf eine Monetarisierung verzichten wird: Immerhin bindet das System Menschen im Messenger - und lotst darüber Benutzer in den werbegeschwängerten Facebook-News-Stream.

Facebook M als digitaler Butler?

Es stellt sich natürlich die Frage, ob und wie Facebook M die Funktion des digitalen Butlers stemmen will. Alleine in Deutschland würde Facebook M gegen folgende bereits etablierte Butler-Dienste antreten:

Facebook M als digitales Wissens- und Antwortsystem?

Es ist verdammt einfach geworden, einfach eine Frage in Siri oder Google Now zu plappern und eine mehr oder weniger sinnvolle Antwort zu erhalten. Auf diesem Gebiet wird sich Facebook M mit folgenden Services messen lassen müssen:

Dienst / Platformverfügbar seit
 Microsoft Cortana 04/2014
 Amazon Alexa / Echo 11/2014
 Google Now 07/2012
 Apple Siri 10/2011
 Facebook M 08/2015 (Beta)
SoundHound 

Vor allem SoundHound kann aktuell mit einer irrsinnigen Lernkurve und beeindruckenden Demonstrationen aufwarten. Bleibt abzuwarten, wie sich Facebook M dazu entwickelt.

Erstes Feedback von einem Facebook M Nutzer: Alles ziemlich langsam

In diesem Wired-Artikel "Get a peek at someone using facebooks new assistant, M" beschreibt ein Anwender seine ersten Erfahrungen: Alles sei ziemlich langsam und zeitverzögert. "Auf einen Witz musste er 5 Minuten warten". Ähm. Ich verkneife mir an dieser Stelle meinen Kommentar. Nein, ich verkneife ihn mir nicht: Wir stehen vor einem der vermutlich leistungsfähigsten Systeme unserer Zeit und sind ungeduldig, weil das gerade erst geborene System noch nicht sprechen und laufen kann? Come on - wir verbringen ein komplettes Lebensjahr, um 26 Zeichen und 100 Zahlen in unsere Köpfe zu hämmern! :D

Apple zieht mit SIRI nach: SIRI soll menschlicher werden

Durch den Aufkauf von VocalIQ zieht Apple mit SIRI nach: Zwischen fünfzig und hundert Millionen Dollar soll das Startup gekostet haben. VocalIQ hat nach eigenen Angaben eine selbstlernende Software für Spracherkennung entwickelt. 

Noch mehr Lesestoff zu "Digitale Findbarkeit"

  •  

Einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben